
München hat mit dem Masterplan Solares München [1] ambitionierte Ziele für den Ausbau der Photovoltaik (PV) formuliert: Bis 2030 soll der PV-Zubau jährlich um 40 Prozent steigen, bis eine Zubauleistung von 100 MWp pro Jahr erreicht ist. Langfristig sollen rund 25 % des Stromverbrauchs Münchens durch Photovoltaik im Stadtgebiet gedeckt werden.
Trotz sehr guter natürlicher Voraussetzungen (hohe Sonneneinstrahlung als Spitzenreiter-Sonnenstadt Deutschlands [2], großes Dachflächenpotenzial), hinkt der Zubau im deutschlandweiten Vergleich hinterher: Im Wattbewerb belegte München (Stand Dezember 2025) nur Rang 68 von 71 bei der PV-Leistung pro Einwohner [3]. 2023 konnten laut Prognose der SWM nur 3,5 Prozent des Münchner Strombedarfs durch lokal produzierte Solarenergie gedeckt werden [4].
Aktuell erreicht München seine Ziele im Masterplan hauptsächlich durch Zubau von PV durch Privatpersonen (siehe Maßnahme dazu in unserem Monitoring). Dies ist jedoch nicht beliebig steigerbar. Um die Ziele des Masterplans zu erreichen, braucht es Maßnahmen, die hohen PV-Zubau bewirken, mit möglichst geringem finanziellem und personellem Aufwand umsetzbar sind und möglichst ohne lange Konzeptionsphasen kurzfristig gestartet werden können. Im Folgenden werden solche Maßnahmen vorgeschlagen. Sie orientieren sich größtenteils an Erfolgsbeispielen aus deutschen Städten, die 2023/2024 beim PV-Ausbau besonders hohe Zuwächse erzielt haben (u. a. Essen, Köln, Hannover, Leipzig [5]).
Es ist wichtig, dass die Stadt bei ihren städtischen Dächern mit gutem Beispiel vorangeht.
Eine kostengünstige und effektive Methode, den PV-Zubau zu beschleunigen, ist das Contracting. Bei diesem Full-Service-Modell übernimmt ein externer Anbieter (Contractor) die Planung, Finanzierung, Installation, und manchmal sogar den Betrieb und die Wartung der PV-Anlage (bei Bedarf in Form von Mieterstrom). Die Stadt kann dann den erzeugten PV-Strom zu einem festen, oft günstigeren Preis beziehen, oder Pachtzinsen erhalten. Contractor könnten in München die SWM sein.
Des weiteren könnte die Crowdinvesting-Plattform für PV-Projekte, die die SWM bereits anbietet, noch deutlich mehr beworben werden, um schnell weitere PV-Projekte zu finanzieren und umzusetzen (https://crowdfunding.swm.de/).
Außerdem könnte die Stadt mit Energiegenossenschaften kooperieren (bspw. https://www.beng-eg.de/) oder die Gründung neuer Genossenschaften unterstützen, die als Geschäftssinn und -zweck haben, kommunale Dächer mit PV zu belegen. So können sich ebenfalls Menschen am PV-Ausbau beteiligen, die kein eigenes Dach haben.
Und beim gesamten PV-Zubau der städtischen Dächer haben Bündelausschreibungen und Sammelbeschaffungen Vorteile: sie reduzieren Kosten, schaffen lokale Handwerkerauslastung und beschleunigen die Umsetzung.
Als Mieterstrom wird Strom bezeichnet, der durch eine auf oder nahe dem Wohngebäude gelegene PV-Anlage erzeugt wird und direkt an die MieterInnen verkauft wird (- meist billiger als Netzstrom). Der Vermieter oder ein externer Anbieter (Contractor) hat die PV-Anlage gebaut und bietet den Stromvertrag an.
Es ist wichtig, diese Mieterstromprojekte so gut es geht zu unterstützen, da es in München einen hohen Anteil an WEGs und Mehrfamilienhäusern gibt und dort der Mieterstrom eine gute Umsetzungsmöglichkeit für den PV-Zubau darstellt. Auch die Münchner Initiative Nachhaltigkeit (MIN) fordert eine weitere Unterstützung von Mieterstrommodellen: „Hier gilt es auch die SWM in die Pflicht zu nehmen, insbesondere bei der Freigabe von Messkonzepten und fertigen Anlagen und bei der hier erforderlichen Ausrüstung der Kund*innen mit SmartMetern.“ (https://www.m-i-n.net/wp-content/uploads/2024/04/2024-04-10_Wie-nachhaltig-ist-Muenchen_MIN_final.pdf, S. 18).
An dieser Stelle ist zu loben, dass der „Einbau des für die Umsetzung von Mieterstrommodellen erforderlichen Systems“ von der Stadt bereits im Rahmen des FKG-Fördertopfes gefördert wird [6].
Zusätzlich könnte die Stadt den Ausbau von Bürger- und Mieterstrom-Modellen noch weiter unterstützen, indem sie über Best Practices aus Pilotprojekten (bspw. größtes Mieterstromprojekt in München im Stadtteil Harthof [7]) informieren und daraus gemeinsam mit den SWM Muster-Messkonzepte entwickeln (inkl. Smart Meter), die technisch abgestimmt und genehmigungsfähig sind.
Weitere beginnende Vorbildprojekte können ebenfalls mit Informationsangeboten und bspw. Organisation von Treffen in städtischen Räumlichkeiten unterstützt werden. (Auch Bürgerenergie-Projekte könnten so unterstützt werden.) Die Stadt könnte in diesem Rahmen auch eine rechtliche Beratung zum Thema Mieterstrom anbieten oder dafür beispielsweise mit erfahrenen Mieterstrom-Dienstleistern wie Polarstern Energie kooperieren. Aktuell gibt es schon eine kostenfreie Beratung zum Mieterstrom vom Bauzentrum https://stadt.muenchen.de/infos/bauzentrum-beratung-kostenfrei.html, Abschnitt „Mieterstrom“. Diese sollte noch mehr beworben werden. Außerdem wäre es (bspw. in solchen Beratungen des Bauzentrums) sinnvoll, noch mehr über andere Möglichkeiten von PV auf WEGs zu informieren (siehe bspw. Übersicht von Solar2030 e.V. [8]), da es auch andere Umsetzungsmöglichkeiten gibt, die weniger bürokratischen und administrativen Aufwand als das Mieterstrommodell mit sich bringen.
Zusätzlich schließen wir uns der Forderung von Stadt für alle an, Mieterstrommodellen bei der Münchner Wohnen zu etablieren [9].
Es sollte noch umfangreichere Informationskampagnen als bisher (Regelmäßige Vorträge, Flyer, Bezirksbriefe an Hausbesitzer, Online-Kampagnen) durch die SWM und die Stadt geben: über alternative Finanzierungsmöglichkeiten wie Contracting und Mieterstrom (s.o.), über Investitionsmöglichkeiten via Crowdinvesting über Bürger- und Energiegenossenschaften wie bspw. https://www.beng-eg.de/ und die SWM (https://crowdfunding.swm.de/).
Im Solardachkataster könnte ein Wirtschaftlichkeitsrechner sowie PV-Konfigurator integriert und hilfreiche, weiterführende Informationen und Verlinkungen (zu Förderungen, Beratungsangeboten, Finanzierungsmöglichkeiten etc.) eingebettet werden. Auch eine Integration der Dachflächenvermittlung „Solarbörse“ ins Solardachkataster ist sinnvoll – sowie deren intensivere Bewerbung. Die PV-Spitzenreiter-Städte Köln [10] und Essen [11] bieten bereits viele dieser Informationen und Rechner in ihrem Solardachkataster gebündelt an, sodass Interessierte alles an einem Platz finden.
München könnte sogar einen Schritt weitergehen und für jedes Haus automatisiert eine individualisierte Wirtschaftlichkeitsrechnung einer PV-Anlage erstellen. Diese Wirtschaftlichkeitsrechnung könnten die Stadt dann allen BürgerInnen (bspw. in Briefkästenwürfen) zukommen lassen – inkl. Follow-Up-Angeboten zu weiterer Beratung, Infoabenden etc.. So sehen die BürgerInnen, ab wann sich eine PV-Anlage für sie rechnet und können gleich konkrete nächste Schritte unternehmen.
Über das Bayerische Klimaschutzgesetz gilt seit 01.01.2025 eine Solardachpflicht für Neubauten und Dachsanierungen von Nichtwohngebäuden [12], [13].
Im zweiten Schritt ist auch eine Pflicht für Neubauten und große Dachsanierungen bei privaten Gebäuden (z. B. Erneuerung >50 % Dachfläche) sinnvoll. Damit das umsetzbar ist, muss jedoch erst der Freistaat Bayern eine PV-Pflicht für Neubau-Wohngebäude erlassen. Deshalb fordern wir von München, sich auf bayerischer Ebene für eine Solarpflicht für Wohngebäude (Neubauten und Dachsanierungen) einzusetzen und schließen uns damit der Forderung von Stadt für Alle an [9]. Die Akzeptanz unter den Bürgern ist vermutlich groß, denn laut einer bundesweiten Umfrage würden 80 Prozent der Befragten eine gesetzlich vorgeschriebene solare Nutzung von Dachflächen auf Wohnungs- und Gewerbeneubauten unterstützen [14].
Die Pflicht könnte in München erweitert werden, sodass bei kleineren Dacharbeiten „PV-ready“-Maßnahmen umgesetzt werden müssen: v.a. ein verbindliche Verschattungs- und Statikprüfung als Teil der Baugenehmigung sowie das Verlegen von Leerrohren.
Um die Akzeptanz der PV-Pflicht zu erhöhen, könnten BürgerInnen mit geringem Einkommen zur Entlastung Zuschüsse oder zinsgünstige Darlehen erhalten. Zur Entlastung von kleineren Vermietern mit nur wenigen Wohnungen, könnten diese längere Umsetzungsfristen bekommen und/oder eine niedrigere Mindestquote der Dachbelegung umsetzen müssen. Auch flexible Erfüllungswege erhöhen die Akzeptanz (z. B. Ausgleich über Investition in PV auf Freiflächen oder städtischen Dächern, Solarthermie als Alternative, Fassaden-und Carport-PV, Mieterstrom bei WEGs und Mehrfamilienhäusern (siehe Maßnahme weiter unten) etc.). In München gibt es eine relevante, hohe Anzahl an denkmalgeschützten Häusern, bei denen es klare, dokumentierte Prüf- und Ersatzmaßnahmen braucht.
Wir empfehlen die Einführung der PV-Pflicht wie in Tübingen umzusetzen. Tübingen gilt rechtlich als praktikables Modell einer PV-Pflicht-Einführung, das vielfach kopiert wurde [15]. Wenn München so wie Tübingen bestimmte Schritte und Maßnahmen bei der Einführung der PV-Pflicht berücksichtigt, dann wird das Risiko von Klagen stark reduziert. Tübingen konnte so mit seinem PV-Pflicht-Modell seine PV-Maximalleistung von ca. 10.450 kWp in 2018 (= Einführungsjahr der PV-Pflicht) auf ca. 30.400 kWp in 2023 [16] steigern. Das ist ein jährlicher Anstieg um 3.990 kWp, also 38 Prozent (basierend auf 2018).
Einen detailierten Vorschlag für eine rechtssichere PV-Pflicht haben wir hier zusammengestellt.
MünchenZero begrüßt, dass die Stadt bei ihren städtischen Gebäuden bereits auf den Zubau von PV-Anlagen achtet. So sollten künftige städtische Aufträge (z.B. für Neubauten oder Dachsanierungen) stets zwingend PV enthalten, sprich als Anforderung in kommunalen Ausschreibungen enthalten sein.
Die Stadt hat die Stadtwerke München (SWM) beauftragt, den Freiflächen-Photovoltaik-Ausbau in der Region zu verstärken, sodass die nächsten Jahre ein durchschnittlicher jährlicher Zubau von 15 MWp erreicht wird (insg. 60 MWp bis Ende 2027) [17] (Absatz „Ziele für die Stadtwerke München“).
Wenn in der Stadt München alle geeignete Freiflächen mit Freiflächen-PV-Anlagen belegt werden würden, könnten damit laut Energieatlas Bayern bis zu 391 MWp Leistung erzeugt werden [18]. (Zum Vergleich: Mit Freiflächen-PV wird in München aktuell 0,6MWp, also 0,2% der potenziellen Menge, erreicht [19].)Der Energieatlas zeigt also: auch im Stadtgebiet gibt es Flächen, die sich grundsätzlich für Freiflächen-PV eignen (siehe https://www.energieatlas.bayern.de/sites/default/files/2025-11/PVFFK_Kriterienkatalog-Datenuebersicht_4.pdf , grüne Bereiche). Und viele dieser geeigneten, grünen Flächen werden als PV-Freiflächenanlagen vom Staat gefördert (bspw. Anlagen auf Straßen-Randstreifen im Abstand von bis zu 500m zu Autobahnen und 2-gleisigen Schienen [20], oder Anlagen auf landwirtschaftlich benachteiligten Gebieten [21]).
Ganz konkret werden sogar schon 6 Flächen (v.a. Straßenrandflächen) für Freiflächen-PV in München vom Staat auf der Solarflächenbörse zur Verpachtung angeboten [22].
Deshalb fordern wir, dass die Stadt München bzw. die SWM diese Flächen auf ihre Eignung für Freiflächen-PV hin prüft. Und bei positivem Prüfungsergebnis sollten dann zeitnah Freiflächen-PV-Anlagen darauf errichtet werden. Wenn der Finanzierungsaufwand trotz in-Anspruchnahme der staatlichen Förderung für die Stadt zu hoch ist, könnten diese Flächen zur Finanzierung auch in das SWM-Crowdfunding-Portal aufgenommen werden, auf dem Bürger in PV-Projekte investieren können. Auch Freiflächen-PV-Projekte im Umland, die die SWM sowieso voranbringen sollen, könnten interessant sein für das SWM-Crowdfunding-Portal.
[1] https://stadt.muenchen.de/infos/masterplan-solares-muenchen
[3] https://plattform.wattbewerb.de/ranking
[5] https://www.lichtblick.de/solarcheck/
[6] https://stadt.muenchen.de/service/info/sachgebiet-forderprogramm-klimaneutrale-gebaude/10414154/
[7] https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-mieterstrom-harthof-plaene-1.6290575
[8] https://solar2030.de/pv-dachanlagen/pv-auf-mehrfamilienhausern/
[10] https://solarkataster.koeln/#s=startscreen
[11] https://solarmetropole.ruhr/solardachkataster/
[12] https://www.energie-experten.org/erneuerbare-energien/solarenergie/solaranlage/solardachpflicht
[13] https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayKlimaG
[14] https://www.lichtblick.de/presse/mehrheit-der-deutschen-fuer-solaranlagen-auf-daechern/
[15] https://www.sfv.de/artikel/solare_baupflicht__stand_der_dinge
[16] https://www.tuebingen.de/Dateien/EnergieundCO2Bilanz_20062021.pdf