Kreislaufwirtschaftstrategie

verzögerte Maßnahmenverzögert
Sektor:
Wirtschaft und Dienstleistung
Zuständigkeit:
Stadtrat

VERZÖGERT | München hat eine Kreislaufwirtschaftsstrategie beschlossen. Aktuell werden aber nur 15 von 85 Maßnahmen verfolgt.

Beschreibung

Eine Kreislaufwirtschaftsstrategie soll es der Stadt München ermöglichen Rohstoffe, Materialien und Energie sparsam und umweltfreundlich einzusetzen sowie Abfall zu vermeiden, indem das Material am Ende des Produktlebenszyklus wiederverwertet oder wiederverwendet wird.

Bereits im Maßnahmenplan Klimaneutrales München [1] sind dem Thema Kreislaufwirtschaft 9 Maßnahmen zugeordnet.


Wie sinnvoll ist diese Maßnahme?

Eine Kreislaufwirtschaft in Städten wie München zu etablieren ist wichtig, weil so die Ressourcennutzung und CO2‑Bilanz deutlich verbessert werden kann: die Herstellung neuer Güter verursacht große Treibhausgas‑Emissionen durch Rohstoffabbau, Energieverbrauch in Produktion und Transport; außerdem entstehen CO2 und andere Schadstoffe, wenn entsorgte Materialien deponiert oder verbrannt werden. Durch Wiederverwendung, Reparatur, Recycling und stoffliche Rückführung lassen sich energie‑ und emissionsintensive Neuproduktionen reduzieren, weil weniger Primärrohstoffe gebraucht und weniger energieaufwändige Fertigungsprozesse ausgelöst werden. Konkret trägt eine Kreislaufwirtschaft dazu bei, dass weniger Plastik im Meer landet (durch Rücknahme‑ und Recyclingkreisläufe sowie Mehrwegsysteme statt Einweg‑Plastiktüten), dass geringere Verluste von wertvollen Rohstoffen bspw. in Elektronikprodukten, entstehen (durch Sammel‑ und Recyclingprogramme für Elektroaltgeräte sowie Design für Demontage) und auch dass THG‑Emissionen bei beim Bau gesenkt werden (durch Wiederverwendung von Baubauteilen, Einsatz von Sekundärrohstoffen und Materialeffizienz), was zusammen städtische Emissionen, Abfallmengen und Rohstoffabhängigkeit spürbar senkt.


Wie weit sind wir?

Der Nettoimport von Materialien, die jährlich nach München fließen, liegt aktuell bei ca. 47 Mio. Tonnen. Dies entspricht einem Pro-Kopf Wert von 32 Tonnen pro Einwohner:in. Das ist 1,5-mal höher als der deutsche Durchschnitt, 1,8-mal höher als der Durchschnitt der EU und 2,7-mal höher als der weltweite Durchschnitt. Jedoch sind Großstädte sogenannte urbane oder anthropogene Lagerstädten, insbesondere wegen den vielen Gebäuden und der großen Infrastruktur aber auch wegen einem höherem Konsumaufkommen. Deswegen ist dieser Wert für Großstädte standardmäßig höher, aber auch hier liegt der Münchener Wert 10%-20% über dem vergleichbarer Städte. [2]

Ein weiterer wichtiger Indikator neben dem absoluten Materialverbrauch ist die Quote der Wiederverwendung, die zirkuläre Materialnutzungsrate (CMU-Rate). Die zirkuläre Materialnutzungsrate misst den Prozentsatz der wiedergewonnenen und wiederverwendeten Materialien im Verhältnis zur Gesamtmaterialnutzung, einschließlich exportierter Recyclingprodukte. Sie gibt an, wie viel Material aus der städtischen Umgebung und aus Abfällen wiedergewonnen und wiederverwendet wird. In München liegt die CMU-Rate derzeit bei 2,89% und damit unter dem bundesweiten Durchschnitt [3]. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 11,8% [2]. Die Niederlande haben sogar eine CMU-Rate von 33,8% [4].

Da der Materialverbrauch auch direkt an die CO2-Emissionen gekoppelt ist [5], erachten wir die Maßnahme als sehr sinnvoll. Der Vergleich mit anderen Regionen zeigt auch, dass in München noch einiges Potential nach oben vorhanden ist.


Wie ist die Beschlusslage?

In München wurde bereits am 02.07.2020 der Beschluss "Circular Munich – Kreislaufwirtschaft für ein nachhaltiges München" verabschiedet, durch den erste Maßnahmen zur Kreislaufwirtschaft ergriffen wurden. [6]

Mit dem Beschluss „München auf dem Weg zur zirkulären Stadt“ (Sitzungsvorlage Nr. 20-26 / V 07870 vom 30.11.2022) beauftragte der Stadtrat das Referat für Klima- und Umweltschutz (RKU), eine gesamtstädtische Strategie zu entwickeln. [7]

Mit dem Beschluss “München auf dem Weg zur zirkulären Stadt –Die Münchner Kreislaufwirtschaftsstrategie (MKWS)” (Sitzungsvorlage Nr. 20-26 / V 17761 vom 17.12.2025) wurde diese Kreislaufwirtschafsstragie vorgestellt und durch den Stadtrat mit finanziellen Einschränkungen angenommen. [3]

Die vorgestellte Kreislaufwirtschaftsstrategie beinhaltet ursprünglich 85 Maßnahmen [8] und unterscheidet vier große Handlungsfelder:

Bauwesen und Infrastruktur: “Hierauf entfallen rund 60 % des materiellen Gesamtverbrauchs der Landeshauptstadt München. Insbesondere Umbau, Rückbau und die Wiederverwendung von Baumaterialien bieten großes Potenzial für die Senkung des Materialverbrauchs.” [2]

Bioökonomie: “Dazu zählen unter anderem die Lebensmittelversorgung und der Umgang mit Wasser. Zwar macht dieser Bereich mengenmäßig nur rund 10 % des Materialverbrauchs aus. Er ist jedoch aufgrund der städtischen Handlungsmöglichkeiten und der direkten Beteiligung der Bürger*innen besonders relevant.“ [2]

Produkte und Handel: “Darunter fallen insbesondere Textilien, Verpackungen und Elektrogeräte. Dieser Bereich umfasst etwa 16 % des Materialverbrauchs und bietet durch Digitalisierung, Mehrweg- und Rücknahmesysteme und Reparaturlösungen erhebliche Innovations- und Einsparpotenziale.” [2]

Nachhaltige Beschaffung der Stadtverwaltung: “Sie hat Einfluss auf einen Großteil der Materialflüsse, die LHM kann sich hier in ihrer Vorbildfunktion festigen und kann durch gezielte Steuerung langfristig Standards für Kreislauffähigkeit setzen.” [2]

Die Kreislaufwirtschaftsstrategie beinhaltet 85 Einzelmaßnahmen [8]. Derzeit richtet sich etwa die Hälfte dieser Maßnahmen an die Stadtverwaltung selbst.

Zusammen sollen die Maßnahmen dazu führen, dass unter anderem folgende ambitionierte Ziele bis 2035 erreicht werden:

  • “Eine Reduktion des materiellen Fußabdrucks um 30 % bis 2035, mit einem weiterführenden Ziel von 50 % bis 2045. Somit ist bis 2035 eine Reduktion von 47 Mio. Tonnen auf 33 Mio. Tonnen geplant, bis 2045 auf 23,5 Mio. Tonnen.” [2]

  • “Eine Verdopplung der zirkulären Materialverwendungsrate (CMU-Rate) von 2,89 % auf 6 % bis 2035.“ [2]

  • “Eine Reduktion der Gesamtabfallerzeugung von 1.699 kt bis 2035 um 15 % auf 1.444 kt. Ergänzt das Ziel des Zero-Waste-Konzepts, das bisher nur die Hausabfälle umfasst, um das gesamte Abfallaufkommen, inklusive Gewerbe und Handel.” [2]


Was muss noch getan werden?

Aktuell werden nur 15 der 85 Kreislaufwirtschaftsstrategie-Maßnahmen umgesetzt, da hierfür einen Finanzierung sichergestellt ist. Die verbleibenden 70 Maßnahmen sind derzeit also nicht in Umsetzung und aktuell auch nicht beantragt [3].

Für die Umsetzung der 85 Maßnahmen wurden von der Stadtkämmerei einmalige Kosten von 1,3 Mio. € bis 4 Mio. € sowie laufende jährliche Kosten von 1,4 Mio. € bis 5,5 Mio. € veranschlagt, abhängig vom Umfang der Maßnahmen. Das aktuell nur die 15 Maßnahmen umgesetzt werden, welche über beantragte externe öffentliche Fördermittel und den bestehende Haushaltsmittel bereits finanziert sind, ist aus unsere Sicht, aufgrund der aktuellen Haushaltslage, verständlich. Jedoch sind Kosten im einstelligen Millionen Bereich im Gesamthaushalt der Stadt München nicht übermäßig viel. Außerdem bringt es wenig eine aufwendige und ineinandergreifende Strategie zu entwickeln, diese zu beschließen, aber dann nur kleine Teile davon umzusetzen. Dadurch können die einzelnen Maßnahmen nicht wie in der Strategie vorgesehen ineinandergreifen und die ehrgeizigen und beschlossen Ziele der Strategie voraussichtlich nicht erreicht werden.

Wir fordern daher, dass auch die restlichen 70 Maßnahmen mit einer Finanzierung ausgestattet werden und so in die Umsetzung gehen können.


Quellen:


Letzte Bearbeitung: 01.02.2026