Im Bürgerbegehren hatten die unterzeichnenden Personen einen Klimaaktionsplan gefordert. Die Stadt hat das Begehren angenommen und einen Plan erstellen lassen, der benannt wird als integriertes Klimaschutzkonzept. Dahinter verbirgt sich nicht nur eine Namensänderung, sondern auch ein inhaltlicher Aspekt. Ein Klimaaktionsplan würde auf der Basis der vorliegenden Analysen einen konkreten Weg beschreiben, in welchen Schritten und Zeiträumen das Ziel Klimaneutralität erreicht werden kann. Das in Öhringen vorliegende Klimaschutzkonzept tut dies nicht. Wir kritisieren dies, denn wir sehen die Gefahr, dass die Umsetzung nicht planvoll und engagiert angegangen wird.
Es kommt hinzu, das das Konzept vom zuständigen Büro nicht bis zum vorgegebenen Termin fertigestellt werden konnte. Bei der Beschlussfassung durch den Gemeinderat im Februar 2024 lag deshalb lediglich der Maßnahmenplan vor.
Mit dem Plan liegt eine Bestandsaufnahme der Emissionen sowie eine Beschreibung der Minderungspotentiale hin zur Klimaneutralität vor. Wir wissen also wo wir stehen und welche Herausforderungen zu bewältigen sind, um das Ziel Klimaneutralität zu erreichen.
Im Sektor Strom sind wichtige Maßnahmen schon in der Umsetzung bzw. in einem fortgeschrittenen Stand der Planung, wie zum Beispiel Freiflächen-Photovoltaikanlagen, PV auf kommuneeigenen Dächern sowie Windkraft.
Die im „Sektor“ Kommunale Vorbildfunktion beschriebenen Maßnahmen lassen einen deutlichen Willen erkennen, die Emissionen, für die die Stadt unmittelbar verantwortlich ist, engagiert zu reduzieren.
Die Wärmeplanung weist Potentiale aus und das Nahwärmenetz wird ausgebaut.
Über den Stand der Umsetzung soll im Gemeinderat alle zwei Jahre berichtet werden. Jährlich soll der Klimaschutzausschuss informiert werden.
Die Nicht-Berücksichtigung der Autobahn erkennen wir insofern an, dass die Autobahn nicht dem kommunalen Einflussbereich unterliegt.
Obwohl die Autobahn und ihr Ausbau nicht im kommunalen Einflussbereich liegt, hat die Kommune trotzdem Möglichkeiten Stellung zu nehmen und Bundes- bzw Landesentscheidungen zu beeinflussen. Wir fordern, dass die Kommune ihren Einfluss wahrnimmt, indem sie...
...öffentlich und bei den zuständigen Stellen gegen den Ausbau der A6 eintritt.
...Beschlüsse aus der Vergangenheit, die auf eine verstärkte Nutzung der Autobahn zielen, revidiert, z.B. zur Ausfahrt Öhringen-Ost.
...den Öhringer Bürger*innen nachhaltige Mobilitätsangebote macht, so dass ein Verzicht auf’s Auto möglich und einfach ist.
Für den Bereich Mobilität wird der Effekt der Maßnahmen als nicht quantifizierbar beschrieben. Die Studie des Umweltbundesamtes dagegen (https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/klimaschutzpotenziale-in-kommunen) weist Potentiale auch für den Verkehr aus.
Im gesamten Prozess der Erstellung des Mobilitätskonzeptes wurde nie mit dem Ziel gearbeitet, Emissionen zu reduzieren. Dies wird im Klimaschutzkonzept nun fortgesetzt, denn es wird keine Reduktion durch den Verkehr eingeplant/ eingefordert.
Im Klimaschutzkonzept wird auf die Einbeziehung der ganz aktuellen Zahlen verzichtet, die im Rahmen der Erstellung des Mobilitätskonzeptes erhoben wurden.
Für den kompletten Bereich Verkehr (BAB ca. 33%, kommunal ca. 17%), also für nahezu die Hälfte der Emissionen, übernimmt die Kommune nach diesem Plan und den angestrebten Maßnahmen unzureichend Verantwortung. Es wird so getan, als ob wir klimaneutral werden könnten, ohne dass der Sektor Mobilität hierzu seinen Beitrag zu leisten hätte.
Das Zieljahr 2037 ist dann akzeptabel, wenn rasch Maßnahmen mit großer Wirkung umgesetzt werden. Zudem sollte es der Anspruch sein, um 2037 ein schönes Festjahr zu feiern, bereits zum Bürgerempfang im Januar klimaneutral zu sein, nicht erst zum Weihnachtsmarkt.
Hier ist die Namensgebung ehrlich: Wir haben ein Klimaschutzkonzept vorliegen; ein Klimaaktionsplan, wie wir als BI ihn gefordert hatten, ist es nicht.
Der Weg muss deshalb sein, die Realisierung der beschriebenen Maßnahmen zu dokumentieren sowie zu bewerten, wo die Stadt steht auf ihrem Weg zur Klimaneutralität. Dass die Stadt hierfür jährlich Zahlen liefern will, begrüßen wir. Diese müssen für die Bevölkerung transparent sein. Wir als BI werden den Umsetzungsstand kontinuierlich dokumentieren, bewerten und dies öffentlich machen.
Öhringen hätte als erste mit der Einflussbilanz bilanzierte Gemeinde Deutschlands, die Möglichkeit gehabt, seine Innovationskraft unter Beweis zu stellen. Diese Chance wurde nicht ergriffen.
Aus Sicht der BI sind weder das Klimaschutzkonzept noch der Beschluss des Gemeinderates ein großer Wurf. Eindringlich warnen möchten wir davor, den Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen nicht höchste Priorität einzuräumen, sondern sie unter Finanzierungsvorbehalt zu stellen. Es kann nicht der Weg sein, bei knappen/ fehlenden finanziellen Ressourcen, die Maßnahmen zur Senkung der CO2-Emissionen zu streichen. Der Weg muss sein, Mittel aufzutreiben und hierfür Land und Bund in die Pflicht zu nehmen. So wie dies über 600 deutsche Kommunen im „Klima-Bündnis“ tun, indem sie Bund und Länder dazu auffordern, Klimaschutz und Klimaanpassung, in Verbindung mit einer ausreichenden Finanzierung, als kommunale Pflichtaufgaben zu verankern.
Zuversichtlich sind wir, weil wir wahrnehmen, dass bei einem Teil der Verantwortlichen das Bewusstsein für die Dringlichkeit der Thematik vorhanden und der Wille groß ist, wichtige Maßnahmen engagiert anzugehen. Wir hoffen und vertrauen darauf, dass sich dies in den kommenden Monaten und Jahren so zeigen wird - „Die Wahrheit einer Absicht ist die Tat“.
Ein Klima-Aktionsplan (auch KAP / Klimaschutzkonzept / integriertes Klimaschutzkonzept) ist ein von einer Kommune beschlossener Plan/Konzept, in dem beispielhaft oder auch in mehreren Szenarien festgelegt ist, wie die Kommune bis 2035/20XX klimaneutral wird.
Im ersten Teil des KAPs wird bilanziert: Wieviel Treibhausgase emittiert die Kommune derzeit?
Im zweiten Teil des KAPs werden Maßnahmen aufgelistet, mit denen die Kommune klimaneutral werden kann. Dabei ist nicht nur Emissionsreduktion sondern die Erreichung der Klimaneutralität in allen Bereichen der Kommune von Bedeutung.
Das integrierte Klimaschutzkonzept wird am 27. Feb 2024 im Gemeinderat beschlossen. Die Unterlagen der Beschlussvorlage sind hier einzusehen: https://sessionnet.owl-it.de/oehringen/bi/si0057.asp?__ksinr=1798
Vorgelegt wird nur der Maßnahmenkatalog. Der Bericht soll nachgereicht werden. Bis Ende Nov 2024 ist dies noch nicht geschehen.Bei unserer Nachfrage in der GR-Sitzung am 25.02.2025 wurde der Bericht für April/Mai 2025 in Aussicht gestellt.
B e s c h l u s s:
Beschluss Nr. 1: mehrheitlich beschlossen // 20-Ja // 10-Nein // 3-Enthaltung Beschluss Nr. 2: mehrheitlich beschlossen // 23-Ja // 8-Nein // 2-Enthaltung Beschluss Nr. 3 (geänderter Beschluss): zur Kenntnis genommen Beschluss Nr. 4: zur Kenntnis genommen
https://sessionnet.owl-it.de/oehringen/bi/si0040.asp?__cjahr=2024&__cmonat=2&__canz=1&__cselect=0
Die Jahreszahl (2035/20XX…) definiert, bis wann die Kommune – möglichst ohne Kompensation – klimaneutral werden will.
Das bedeutet, dass allen Maßnahmen nachweisliche THG-Einsparmengen zugerechnet werden müssen, um dann als Ergebnis nachzuweisen, dass mit den geplanten Maßnahmen alle bilanzierten kommunalen THG-Emissionen eingespart werden.
Im Klimaschutzkonzept werden Berechnungen für die Zieljahre 2035 (von der Bürgerinitiative Öhringen klimaneutral 2035 gefordert) und 2040 (Zieljahr des Landes BW) gemacht. Der Gemeinderat beschließt im Februar 2024 das Zieljahr 2037
Das Restbudget beschreibt das globale Kontingent an Treibhausgasen (THG), das für die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens zukünftig noch emittiert werden kann. Dieses THG-Kontingent kann auf einzelne Nationen und wiederum auf Kommunen heruntergebrochen werden. Jede Kommune hat somit ein „persönliches kommunales Restbudget“, das sie für die Einhaltung des Pariser 1,5 Grad Zieles nicht überschreiten darf.
Fast alle Kommunen führen ihre Treibhausgasbilanz mit BISKO (Bilanzierungs-Systematik Kommunal) durch. In dieser Systematik wird nur ein Teil der Industrie bilanziert, die Sektoren Abfall, Landwirtschaft und LULUCF fehlen völlig.
Die Klimavision von LocalZero bilanziert die Sektoren Strom, Wärme, Verkehr, Industrie, Gebäude, Abfall, Landwirtschaft, LULUCF (Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft).
Wenn die Kommune mit BISKO bilanziert ist es wichtig daraufhinzuweisen, dass die Bilanzierung ergänzt werden muss und vor allem in den fehlenden Sektoren trotzdem Maßnahmen entwickelt werden sollten.
Bilanziert wird nach BISKO und nach der Einflussbilanz. Öhringen ist unseres Wissens die erste Kommune, die auch nach der Einflussbilanz bilanziert. Allerdings wird der Maßnahmenplan nicht nach den Sektoren der Einflussbilanz strukturiert, was wir als BI eingefordert hatten.
Das Szenario soll zeigen wie die Kommune unter realistischen Bedinungen (politischer Entwicklung, Dauer der Maßnahmen etc.) ihre Emissionen auf Netto-Null reduzieren kann, oder wie weit eine Reduktion realistisch aber ambitioniert möglich ist.
Oft ist im KAP ein weiteres Szenario mit einem anderen Zieljahr hinterlegt zum Bsp. 2040 oder 2045
Ein Trendszenario zeigt auf, wie sich die kommunalen Emissionen entwickeln, wenn die Kommune keine Maßnahmen in Richtung Klimaneutralität ergreift, also „business as usual“ betreibt. In diesem Fall können sich die kommunalen Emissionen trotzdem verändern, da bundespolitische Maßnahmen Einfluss auf kommunale Emissionen haben (Bsp: veränderter Bundesdeutscher Strommix).
Die jährlichen Kosten für Maßnahmen, sowie Kosten für den Personalbedarf für die Umsetzung der Maßnahmen, machen den Aufwand einschätzbar und liefern Sicherheit für die Planung der Umsetzung.
Sind keine Kosten und keine Personalstellen hinterlegt sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die Politik diese Maßnahme schnell freigibt. Denn die Kosten und der nötige Personalumfang muss erst ermittelt werden.
Eine genaue Planung der Maßnahmen ist eine Grundvoraussetzung, um den Erfolg/Fortschritt der Umsetzung des Klima-Aktionsplans zu messen. Optimal ist ein Ablaufplan, in dem die Reihenfolge und die zeitliche Überschneidung aller Maßnahmen genau aufgeschlüsselt ist.
Mit einem solchen Ablaufplan kann die Kommune die Reduktion der THG-Emissionen für jedes kommende Jahr prognostizieren und so nachweisen, dass sie das 1,5 Grad Ziel einhält.
Wichtig ist natürlich, dass zuerst die großen Emittenden auf Klimaneutralität umgestellt werden und danach bei den kleinen Emissionsquellen Maßnahmen ergriffen werden.
Die Bürgerinitiative "Öhringen klimaneutral 2035" hatte dies sowohl in ihrem Bürgerbegehren als auch im Prozess der Erstellung des Klimaschutzkonzeptes beständig eingefordert.
Ohne klar verteilte Verantwortlichkeiten können Maßnahmen nicht umgesetzt werden. Die Verantwortlichen können sowohl in der Kommunalverwaltung (z.B. Abteilungen) oder außerhalb (z.B. Stadtwerke) sein. Bei jeder vorgeschlagenen Maßnahme sollte die zuständige Fachabteilung, die kommunale Tochter oder sogar die zuständige Sachbearbeitung genannt werden.
Aus dem genauen Zeitplan der Maßnahmenplanung kann ab jetzt bis zum Jahr der Klimaneutralität (2035/20XX) die THG-Emissionen und der Endenergiebedarf jährlich prognostiziert werden in allen Sektoren. Wird z.B. ein Braunkohlewerk im Jahr X geschlossen, sinken die Emissionen um Y. Dadurch wird der Weg zur Treibhausgasneutralität klar erkennbar und zu kompensierende Emissionen sichtbar.
Es gibt keinen Zeiplan der Maßnahmenplanung.
Alle Akteur:innen in einer Kommune sollten bei der Erstellung/Umsetzung eines KAPs beteiligt werden. Unterschiedliche Akteur:innen der Kommune sind: Bürger:innen (z.B. LocalZero-Teams), Verwaltung der Kommune, höchste politische Gremien der Kommune, Stakeholder:innen in der Kommune (z.B. kommunale Unternehmen oder Vereine).
Es wurden Akteur:innen eingebunden bei der Erstellung des Klimaschutzkonzeptes. Bei der Umsetzung ist dies teilweise bereits der Fall. Hier sehen wir aber noch viel ungenutztes Potential.
Akteursbeteiligung gab es auch bei der Erstellung des Mobilitätskonzeptes.
Dies war aber nicht der Fall bei der Erstellung der Wärmeplanung. Eingaben bei der vorgeschriebenen Möglichkeit zur Stellungnahme durch Bürger:innen werden nach über einem Jahr erst auf Nachfrage beantwortet.