Die Stadt Lüneburg strebt an, bis 2030 klimaneutral zu werden; dafür ist die mindestens zweijährliche Erstellung einer umfassenden Treibhausgas-Bilanz (THG-Bilanz) notwendig. Sie ist eine wichtige Datengrundlage dafür, wie Klimaschutzmaßnahmen wirken und an welchen Stellen mehr Anstrengungen nötig sind.
Wozu dient eine THG-Bilanzierung?
Die Treibhausgas-Bilanzierung ist das wichtigste Instrument, um die Menge an Treibhausgasemissionen zu messen und zu kontrollieren. Klimaneutralität bedeutet, vereinfacht gesagt: Es werden nicht mehr Treibhausgase (THG) ausgestoßen, als durch die Senken vor Ort wieder "eingefangen" werden können. Dafür muss man wissen, wie viele Emmissionen eigentlich erzeugt werden – und wo. Das ist der Job einer THG-Bilanz. Sie gibt an, wie viele Tonnen Treibhausgase in einer Kommune jährlich erzeugt werden, zum Beispiel durch Autos, Industrieanlagen oder Gasheizungen. Mit einer THG-Bilanzierung werden die wichtigsten Emittenten und damit Akteure für Klimaschutz-Aktivitäten vor Ort ermittelt. Durch eine regelmäßige Erhebung der THG-Bilanz kann bei Defiziten gezielt nachjustiert werden, z.B. wenn der Wärmenetz-Ausbau stockt. Aber auch die Erfolge der Maßnahmen werden mit einer THG-Bilanz gemessen, z.B. der Nutzen des Ausbaus von PV-Anlagen und Windkraftanlagen.
Anteile der THG-Emissionen
Die Abbildung zeigt die Anteile der verschiedenen Sektoren an den (endenergiebasierten) THG-Emissionen Lüneburgs in 2022. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor. Insgesamt betrugen die THG-Emissionen rund 568.000 t CO2-Äquivalente. (Quelle: Energie- und THG-Bilanz der Hansestadt Lüneburg)

Die Anteile der Sektoren sind: Industrie 41 %, Verkehr 26 %, private Haushalte 23 %, Gewerbe/Handel/Dienstleistungen 8 %, kommunale Einrichtungen 1,5 %. Zur "Industrie" gehört neben der verarbeitenden Industrie auch das verarbeitende Gewerbe mit mehr als 20 Mitarbeiter:innen.
Mehr Informationen
Ein Bericht von GermanZero/LocalZero zur THG-Bilanzierung und deren Methoden, und warum THG-Bilanzierung zentral für lokalen Klimaschutz ist.
Die für Lüneburg durchgeführte Treibhausgas-Bilanzierung erfolgte nach dem BISKO-Standard. BISKO berücksichtigt nur den Endenergieverbrauch in verschiedenen Sektoren und die damit verbundenen THG-Emissionen - dies sind ca. 87 % aller THG-Emissionen. Die Sektoren Landwirtschaft und Abfallwirtschaft fehlen in dieser Bilanzierung, ebenso wie nicht-energiebedingte Emissionen aus der Industrie.
Im Mai 2022 wurde die erste THG-Bilanz für Lüneburg vorgestellt. Sie bilanziert die Treibhausgase für die Jahre 2017 bis 2019. Im Sommer 2025 wurde eine Fortschreibung der THG-Bilanz für die Jahre 2020 bis 2022 vorgestellt.
Lt. Stadtverwaltung soll die nächste THG-Bilanz, für die Jahre 2023 bis 2025, erst 2028 erstellt werden. Mit dem Klimaneutralitätsziel für 2030 ist eine dreijährliche Bilanzierung nicht vereinbar. Deshalb ist der Status der Maßnahme "verzögert".
In Hamburg wird die THG-Bilanz jährlich erstellt, wie auch von GermanZero empfohlen.
Die THG-Bilanzierung ist im Klimaschutzplan nicht als Maßnahme enthalten, daher ist sie hier als "Vorschlag" eingestuft.